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In Zukunft möchten wir Ihnen interessante Neuigkeiten rund um Methodologien und Statistiken darbieten:

 

Oldenburg, 25.05.2010, rh, Internetgestützte Bewertung diagnostischer und therapeutischer Dienstleistungen

Mit der Überschrift "Zeugnis für den Doktor" titelt die Süddeutsche Zeitung am Pfingstwochenende auf der Titelseite. Darin zitiert sie den stellvertretenden Vorsitzenden des Bundesverbandes der AOK, der zu Kenntnis gibt, dass es für die Versicherten seiner Krankenkasse in Hamburg, Berlin und Thüringen ab Juni 2010 im Rahmen eines Pilotprojekts die Möglichkeit geben wird, per Arzt-Navigator a) Informationen über geschehene Behandlungen bei Haus- und Fachärzten in ein internetgestütztes Bewertungstool einzugeben und b) kumulierte Informationen über diese Bewertungen zur eigenen Orientierung abzurufen. Dieser Ärztecheck sei gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung entwickelt worden und solle auch für Versicherte anderer Krankenkassen zugänglich sein.

[Bohsem, G. (2010). Zeugnis für den Doktor. (SZ Nr. 116 vom 22./23./24.05.10). München: Süddeutsche Zeitung.]

 

Bielefeld, 16.02.2010, rh, Stichprobengröße, Signifikanzniveau, Effekt- und Teststärken

Eine lediglich auf der Grundlage von statistischen Signifikanzen vorgenommene Bewertung quantitativ-statistischer Ergebnisse in den Human- und Sozialwissenschaften ist unvollständig, solange Effekt- und Teststärken nicht mit in die Bewertung aufgenommen werden. Somit ist festzustellen, dass bei der Bewertung von Unterschieden bzw. Zusammenhängen im wissenschaftlichen Kontext häufig Alternativhypothesen - dem Paradigma des kritischen Rationalismus folgend - angenommen werden, um nicht theoriediskonforme Nullhypothesen beibehalten zu müssen. Eine Untersuchungsplanung von z.B. Prä-Postmessungen sowie eine post-hoc stattfindende Ergebnisbewertung hat den Einbezug des Zusammenhangs zwischen Stichprobengröße, Signifikanzniveau, Effekt- und Teststärke zu berücksichtigen. Ein Programm zur Ermittlung von Effekt-, Teststärken und Stichprobengrößen ist G*Power 3. Es ist als freeware online erhältlich: http://www.psycho.uni-duesseldorf.de/abteilungen/aap/gpower3/

 

Bielefeld, 07.09.2009, rh, Methodologie in der Hirnforschung: Natur- versus Geisteswissenschaft

Im Gegensatz zum Paradigma eines - aus der naturwissenschaftlichen Methodologie resultierenden - Erklärens des menschlichen Erlebens und Verhaltens versteht Fuchs (2009) das Konzept der Willensfreiheit als Ergebnis einer Selbstkultivierung, die davon bestimmt ist, inwieweit es uns gelungen ist, die Fähigkeiten des Denkens, Bewertens, Entscheidens zu erlernen und dabei die für den freien Willen notwendigen neuronalen Muster auszubilden. Gemäß der Aussage von Karl Jaspers, dass "Wahrheit, deren Richtigkeit ich beweisen kann, ohne mich selber besteht . . . ist jedoch Wahrheit, aus der ich lebe, nur dadurch zu verstehen, dass ich mit ihr identisch werde." Nach Fuchs (2009) ist das Gehirn kein Homunculus, sondern ein Beziehungsorgan. Der Mensch wird nicht von physikalischen Stimuli der Umgebung determiniert. Vielmehr antworte der Mensch auf wahrgenommene Reize mit Hilfe einer Rekonfiguration des Gesamtsystems von Organismus und Umwelt. Es ist die Aufgabe des Gehirns, diese Rekonfiguration vorzunehmen.

[Fuchs, T. (2009). Das Gehirn - ein Beziehungsorgan. Eine phänomenologisch-ökologische Konzeption (2. Auflage). Stuttgart: Kohlhammer.

Pawlik, M. (2009). Das Leben als Leibesübung. Nicht das Gehirn denkt und fühlt, sondern der ganze Mensch mit Muskeln, Nerven und Eingeweiden: Thomas Fuchs schreibt eine Kritik der neuronalen Vernunft (FAZ Nr. 195 vom 24.08.09). Frankfurt am Main: Frankfurter Allgemeine Zeitung.]

 

Bielefeld, 26.08.2009, mr / Zugang zum tertiären Bildungsbereich

Die OECD (2008) formuliert in „Bildung auf einen Blick / OECD-Indikatoren 2008“: „Betrachtet man die sozioökonomische Herkunft von Studierenden anhand des Bildungsstands ihrer Väter, so ergeben sich große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. In vielen Ländern ist die Wahrscheinlichkeit, ein Hochschulstudium aufzunehmen, weitaus größer, wenn der Vater einen Hochschulabschluß besitzt. In Deutschland, Frankreich, Österreich, Portugal und dem Vereinigten Königreich ist die Wahrscheinlichkeit zu studieren für Schüler mit einem derartigen Hintergrund doppelt so hoch wie für Schüler, deren Vater keinen derartigen Abschluss hat. In Irland und Spanien liegt diese Wahrscheinlichkeit bei lediglich 1,1 bzw. 1,5.“

[ OECD (2008). Bildung auf einen Blick / OECD-Indikatoren 2008. Paris: OECD]

 

Bielefeld, 28.05.2009, rh / Gesundheitliche Beschwerden

Einer aktuellen repräsentativen Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse sowie des F.A.Z-Instituts  zu  gesundheitlichen Beschwerden an insgesamt 1067 Personen können interessante Details zur Verteilung berichteter Beschwerden entnommen werden.

vgl. Sie dazu TK-Veröffentlichung aus 05/2009

 

Bielefeld, 27.05.2009, rh / Qualitätssicherung ambulanter Psychotherapie

Grawe & Braun (1994) beschreiben einen dezidierten Vorschlag zur erweiterten Qualitätssicherung in der Psychotherapiepraxis. Neben der Vorstellung konkreter Möglichkeiten zur fortgeschrittenen Sicherung der Prozeß- und Ergebnisqualität von Psychotherapien unter Praxisbedingungen werden konkrete Hinweise für die Planung und Durchführung gegeben. Laireiter (2003) verweist ergänzend auf dabei zu berücksichtigende unterschiedliche Interessenlagen der beteiligten Akteure.

Grawe & Braun führen weiter aus, dass eine Möglichkeit der Umsetzung qualitätssichernder Maßnahmen in der Möglichkeit bestünde, dass sich mehrere Einzelpraxen zu einem "Evaluationsverbund" zusammenschließen  könnten und die zugehörigen Erhebungen konzentrierten.

[Grawe, K. & Braun, U. (1994). Qualitätskontrolle in der Psychotherapiepraxis. Zeitschrift für Klinische Psychologie, 23, 242-267.

Lairaiter, A.-R. (2003). Qualitätsmanagement in der Verhaltenstherapie-Praxis. In: M. Härter, H. W. Linster & R. D. Stieglitz (Hrsg.), Qualitätsmanagement in der Psychotherapie. Grundlagen, Methoden und Anwendung (S. 215-239). Göttingen: Hogrefe.]

 

Bielefeld, 26.05.2009, rh / Was sind bedingte Wahrscheinlichkeiten?

Nur wenige können den Nutzen verschiedener Früherkennungsmaßnahmen richtig einschätzen. Das ist alarmierend, so der Tenor einiger medizinischer Fachgesellschaften. Woran liegt es?

Akademische "Nicht-Statistiker" wurden in einer Untersuchung von Gigerenzer et al. (2008) mit der folgenden Aufgabe konfrontiert: Es wird angenommen, dass im Umkreis einer definierten Örtlichkeit Brustkrebsfrüherkennung mittels Mammographie durchgeführt wird. Von diesem Umkreis der definierten Örtlichkeit ist bekannt, dass dort etwa 1% der Frauen an Brustkrebs erkrankt sind. Zudem wird angenommen, dass - wenn eine Frau Brustkrebs hat - die Wahrscheinlichkeit bei 90% liegt, dass das Mammogramm dieser Frau als positiv befundet wird. Des weiteren beträgt die Wahrscheinlichkeit = 9%, dass der Test positiv ausfällt, obwohl die Frau nicht an Brustkrebs erkrankt ist.

Die Annahme lautete weiter, dass eine Frau positiv getestet wird und nun wissen möchte, ob sie tatsächlich Brustkrebs hat bzw. wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist.

Die von Gigerenzer et al. untersuchten Personen konnten in einem Multiple-Choice-Verfahren zwischen den Antworten: 1%, 10%, 81% oder 90% die Ihnen am geeignetsten erscheinende Alternative auswählen. Die Untersuchungsergebnisse an 160 akademischen "Nicht-Statistikern" ergab, dass nur 21% der Befragten zur richtigen Lösung kamen: etwa 10% beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau mit positivem Mammographiebefund tatsächlich an Brustkrebs erkrankt ist.

[Gigerenzer & Wegfarth (2008). Risikoabschätzung in der Medizin am Beispiel der Krebsfrüherkennung. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen, Jg. 102, 513-519.]

 


Schlüsselwörter:

Bedingte Wahrscheinlichkeit, Krebsfrüherkennung, Qualitätssicherung, Psychotherapie, sozioökomischer Status, Bildung, Hirnforschung, Erklären und Verstehen

info@biostatistics-online.de